aMMP-8 Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Liebe Kolleginnen und Kollegen.

In Deutschland leiden 15 bis 20 Millionen Menschen an Parodontitis. Obwohl die Parodontitis also als "Volkskrankheit" zu verstehen ist, ist das Wissen über die allgemeinmedizinischen Zusammenhänge und deren Folgen nicht ausreichend. Erschwerend kommt hinzu, dass fast keiner der erkrankten Patienten sich in einer parodontalen Therapie befindet. Dies ist nicht nur für den Zahnerhalt von Bedeutung, sondern ist von größtem allgemeinmedizinischen Interesse.

Die Gesamtgröße der Wundfläche (Tascheninnenseite) bei Parodontitis wird auf ca. 5-15 cm² geschätzt (Müller 2002). Die lokale Hochregulierung proinflammatorischer Zytokine hat zur Folge, dass diese in den Gesamtkreislauf gelangen und einen erhöhten entzündlichen Status unterhalten. Somit sind systemische Implikationen auf den Gesamtorganismus eine logische Folge.

Zahlreiche Studien belegen Zusammenhänge zwischen Parodontitis und Erkrankungen wie Rheuma, Diabetes mellitus, koronare Herzkrankheiten, Schlaganfall, sowie das steigende Frühgeburtenrisiko.

Parodontitis ist der stärkste Einflussfaktor für Frühgeburten

Parodontale Erkrankungen während der Schwangerschaft werden als Risikofaktor für die verfrühte Geburt eines Kindes angesehen. Hierbei ergibt sich eine Steigerung der Komplikationsrate um das 3,4-fache (Lopez et al. 2002). Ein Vergleich der Matrixmetalloproteinase-8 (aMMP-8) Konzentration im Sulkusfluid von Schwangeren, Nichtschwangeren und an parodontitiserkrankten Probanden ergab eine Steigerung der Konzentration, um mehr als das Zwanzigfache bei Schwangeren (Ehlers et al. 2008).

Parodontitis erhöht das Risiko für koronare Herzkrankheiten

Ein Zusammenhang besteht auch zwischen Parodontitis und kardiovaskulären Erkrankungen. In arteriosklerotisch veränderten Bereichen der Arteria carotis wurden, mittels molekularbiologische Techniken, in 44% der Fälle Hinweise auf eine Infektion mit parodontalpathogenen Keimen gefunden. In Untersuchungen an gesunden Arterien wurden diese Keimarten in der Gefäßwand nicht nachgewiesen (Haraszthy et al. 2000). In einer Meta-Analyse hatten Probanden mit Parodontitis ein insgesamt um 15% signifikant höheres KHK-Risiko als Gesunde (Khader et al., 2004). Studien zeigten, dass ein Zusammenhang zwischen der Plasmakonzentration von MMP-8 und dem Leiden an einer koronaren Herzkrankheit besteht. Die Höhe der MMP-8 Konzentration erlaubte Rückschlüsse auf die Schwere der koronalen Erkrankung (Ryuichi et al. 2005).

Eine Korrelation besteht ebenfalls zwischen Parodontitis und Apoplex. Parodontitiserkrankte haben ein um 13% höheres Schlaganfallrisiko, im Vergleich zu gesunden Patienten (Kahder et al. 2004).

Parodontitis erschwert die Therapie des Diabetes mellitus

Die Parodontitis wird als eine Komplikation des Diabetes mellitus angesehen, da diese die Ausprägung des Diabetes mellitus verstärkt und dessen Kontrolle wesentlich erschwert. Das Bestehen oder Fortschreiten der Parodontitis führte zu einer erhöhten Insulinresistenz bzw. einen erhöhten Insulinbedarf (Tervonen et al. 1991, Westfeld et al. 1996). Parodontitis erhöhte die Insulinresistenz vergleichbar mit Adipositas und erschwerte somit die glykämische Kontrolle (Mealey et al. 2006).

Parodontitis erhöht das Risiko für Arthritis und Rheuma

Die Parodontitis erhöhte das Risiko für das Entstehen von Arthritis und Rheuma um das 6-fache und beeinflusste darüber hinaus den Schweregrad dieser Erkrankungen (Mercado et al. 2000, 2001, 2003). Umgekehrt hatten Rheumatiker höhere Taschentiefen und eine erhöhte Zahnverlustrate (Mercado et al. 2000, 2001, 2003). Patienten mit rheumatoider Arthritis wiesen im Gegensatz zu Gesunden, eine Erhöhung der aMMP-8 Konzentration im Sulcusfluid und in der Gelenkflüssigkeit auf (Tchetverikov et al. 2004, Biyikoglu et al. 2009).

Eine Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist also dringend notwendig!

Die Frühdiagnostik von Parodontitis stellt eine entscheidende Schnittstelle zwischen der Zahn- und Allgemeinmedizin dar und eröffnet somit erstmals die Möglichkeit für interdisziplinäre Zusammenarbeit, die entscheidend für den erkrankten Patienten ist.

Wir würden Ihnen gerne ein neues Testverfahren vorstellen, welches Ihnen eine Testung Ihrer Patienten auf gewebezerstörende Enzyme, die Parodontitis verursachen, ermöglicht.

Der PerioMarker-Schnelltest misst die Enzymaktivität von aMMP-8, welche für den Abbau der Kollagenfasern des Zahnfleisches verantwortlich ist. Entwickelt wurde dieser von den Forschern der Universität Helsinki und der Stony Brook University, Long Island, New York. Die Kaiserberg Klinik erforscht mit beiden Universitäten die Wirkung der Parodontitis auf den Organismus.

Der PerioMarker Chairside-Test, mehr als nur Parodotitisfrüherkennung...

PerioMarker Chairside-Test

Der PerioMarker Chairside-Test funktioniert über die Messung des Enzyms Matrix-Metallo-proteinase-8 (Kollagenase-2). Parodontalpathogene Keime aktivieren Polymorphkernige Leukozyten (PML), die Matrixmetalloproteinese-8 sezernieren und aktivieren. Die aktive Form der Matrix-Metalloproteinase-8 (aMMP-8) ist somit das reale Endprodukt der anlaufenden Entzündungskaskade. Erhöhte Werte sind ein Zeichen für die beginnende Entzündungsreaktion, noch bevor eine Gewebsdestruktion stattgefunden hat (Page et al. 1997, Kinane 2000, Ryan et al. 2000, Mäntylä et al. 2003, Mäntylä et al. 2006, Ramseier et al. 2009).

Der PerioMarker Chairside-Test wurde auf der Basis des Antikörperpaares 8708/8706 als Schnelltest entwickelt, welcher problemlos vom Personal in der Praxis innerhalb von zehn Minuten durchgeführt werden kann. In kontrollierten klinischen Studien wurde bewiesen, dass mittels der Schnelldiagnostik eine Unterteilung der untersuchten Patienten in parodontal gesund und erkrankt möglich ist (Hoffmann et al.).

Der Test ermöglicht also binnen wenigen Minuten eine diagnostisch positive oder negative Aussage bezüglich der parodontalen Gesundheit des Patienten und kann erstmals als ein echtes parodontales Screening verstanden werden.

Gerne würden wir mit Ihnen auf Basis dieser Erkenntnisse zusammenarbeiten und ein Überweisernetzwerk etablieren.

Darüber, wie die Zusammenarbeit gestaltet werden kann, informiert Sie gerne Dr. Mariana Mintcheva, Msc.

Weiterführende Links

www.parodontitisfreies-deutschland.de
www.idi-paro.de IDI-PARO Interdisziplinäre Diagnostik-Initiative für Parodontitisfrüherkennung



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